Facebook: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Rekordumsätze, wachsende mitgliederzahlen ausserhalb der USA und Europas lassen ein schnelles Ende von Facebook als reine Illusion erscheinen. Anlässlich des 15 Geburtstages des sozialen Netzwerkes scheint der Trend trotz aller öffentlicher Kritik eher auf einen beträchtlichen Machtzuwachs hinzudeuten. Man darf getrost annehmen, dass Facebook seine marktbeherrschende Stellung noch weiter ausbauen wird, und darauf deutet ja schon jetzt so Einiges hin, wie beispielsweise die Tatsache, dass das Unternehmen plant alle seine Messanger-Dienste miteinander zu verschmelzen. Nicht nur bei Datenschützern sollten die Alarmglocken klingeln. Trotz all dieser Entwicklungen muss die Frage erlaubt sein, ob die Tage von Facebook zumindest mittel- und langfristig nicht doch gezählt sein könnten.

Man darf träumen und Wünsche äussern an Geburtstagen, und ähnlich wie der SPD-Netzpolitiker

Yannick Haan

Wünsche Ich mir ein schnelles Ende dieser weltumspannenden Manipulationsmaschine. Da Ich den Grundthesen

Haans

Zustimme, will Ich mich an dieser Stelle darauf beschränken kurz meine eigenen Erfahrungen mit diesem Dienst darzulegen und möchte somit nachvollziehbar machen, warum Ich mich nach fast 11 Jahren dazu entschieden habe, Facebook die weitere Gefolgschaft zu verweigern und den Dienst zu verlassen.

Ähnlich wie

Haan

Habe Ich zunächst an die Heilsversprechen der sozialen Medien geglaubt. Ich selbst bin Facebook im Januar 2008 auf Anraten eines englischen Freundes beigetreten, denn in Deutschland hatte Facebook noch gar nicht Fuss gefasst. Über die nächsten zwei bis drei Jahre entwickelte Ich mich mehr und mehr zu einem täglichen Nutzer dieser Plattform, und ab 2011 fand mein digitales Leben mehr oder weniger nur noch auf Facebook statt.Es dauerte wie wohl auch bei vielen anderen meiner Zeitgenossen viele Jahre und erforderte eine Vielzahl von Skandalen und Pannen, bis auch bei mir schliesslich ein Umdenken einsetzte. Aber der Entschluss das Netzwerk zu verlassen brauchte ebenfalls Zeit; im Dezember des vergangenen Jahres war es dann soweit, und Ich habe meine Entscheidung bis dato nicht bereut; gemeinhin tut man gut daran sich zu erinnern, dass das Internet wesentlich mehr ist als Facebook oder Twitter. Wie auch Haan in seinem

Beitrag

Erläutert, könnte das soziale Netzwerk gesellschaftliche demokratische Strukturen weiter aushöhlen. Daher muss auch aus meiner Sicht eine Kritik heutiger sozialer Medien darauf hinwirken nicht die Symptome zu analysieren, sondern es muss um eine Fundamentalkritik des Überwachungskapitalismus gehen; es muss darum gehen, dass das gesamte Geschäftsmodell, welches globalen Großkonzernen wie Facebook zugrunde liegt, das wirkliche Problem unserer Zeit ist. Ein Großteil unserer gefeierten digitalen Wirtschaft beruht auf dem Missbrauch personenbezogener Daten und dessen Nutzung um unvorstellbares Vermögen anzuhäufen. Daher helfen halbherzige Vorschläge wie mehr Regulierung oder die Zerschlagung Facebooks überhaupt nicht weiter, denn sie stellen das Kernprinzip einer neuen kapitalistischen Wirtschaftsordnung erst gar nicht zur Disposition. Sie gehen davon aus, dass althergebrachte Instrumente den Anforderungen unserer digitalen Moderne gerecht werden könnten, und Ich bin wie auch andere Kritiker davon überzeugt, dass dieser halbherzige Weg uns in eine Sackgasse führen wird. Wenn wir also über eine humanere und Gesellschaft im digitalen Zeitalter streiten und debattieren wollen, dann müssen wir das Übel zumindest konsequent benennen, und das Übel ist das Geschäftsmodell, welches Unternehmen wie Facebook unvorstellbares Wachstum und Vermögen beschert. Es ist Politikern und Publizisten wie

Yannick Haan

zu verdanken, dass sich die Politik langsam anfängt glaubwürdig mit diesen Problemen auseinanderzusetzen, auch wenn die gegenwärtigen Lösungsansätze noch viele Debatten und Feinarbeit benötigen. So stehe auch Ich grundsätzlich der Idee eines vom Gemeinwesen getragenen und öffentlich finanzierten sozialen Netzwerks nicht ablehnend gegenüber. Selbstverständlich müsste Staatsferne garantiert werden, aber was für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk relativ gut funktioniert hat, könnte auch im Zeitalter sozialer Medien wichtige Denkanstösse liefern. Auch wäre vorstellbar solche Dienste durch öffentliche Stiftungen anzubieten. Eine solche neue Infrastruktur sozialer Medien müsste selbstverständlich auch verfassungsrechtlich normiert werden, wie beispielsweise durch einen Katalog verbriefter digitaler Grundrechte, die sich dann im Verfassungstext wiederfinden oder Verfassungsrang erlangen.

Wie gesagt, das sind momentan erstrebenswerte Zukunftsszenarien, und es wird keiner einzelnen Partei, gesellschaftlichen Gruppe oder Unternehmen gelingen Patentlösungen zu erarbeiten. Aber es stimmt mich hoffnungsvoll, dass sich eine ernsthafte Debatte dieser komplexen Themen anbahnt. Welche humaneren Lösungen sich technisch und gesellschaftlich durchsetzen werden, dass wissen wir alle nicht. Aus meiner Sicht steht eines jedenfalls fest: Facebook gehört in den Papierkorb der Geschichte, und je schneller desto besser.

Happy Birthday

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